Start beim Ironman-Kraichgau 70.3 auf der Mitteldistanz (1,9 – 90 – 21,1 km) 

Am Sonntag, 2. Juni 2019, fand in der Region Kraichgau im Südwesten Deutschlands das als Triathlon Hochburg bekannte IM-Kraichgau 70.3 statt. Neben dem Weltmeister Jan Frodeno ging auch ein Vereinsmitglied des SV Freiberg – Ignacio Horica (Jg. 1963) – über eine Distanz von 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen an den Start. 

Schon am Vortag (Samstag, 1. Juni), ging es mit der Registrierung in Schönborn los. Jeder Teilnehmer erhielt seine Startunterlagen und seine Wettkampfutensilien (Badekappe, Startnummer, Aufkleber für Rad und Helm). Der Start und die erste Wechselzone (vom Schwimmen zum Rad) befanden sich am See in ca. 5 km Entfernung vom Zielbereich Schönborn. Der Check-in erfolgte ebenso in der Wechselzone 1, wo das Fahrrad samt Helm und Radschuhen in die vorgesehenen Radständer platziert wurden. Am Ausgang erhielten die Teilnehmer einen Chip für die Zeiterfassung und ein Armband für die Identifikation. Damit war der erste Schritt getan. 

Nach einer unruhigen Nacht folgte am frühen Morgen die Fahrt an den See in den Check-in Bereich, um die Trinkflaschen ans Rad zu stecken und ein letztes Mal den Reifendruck zu überprüfen. Anschließend ging ich voller Vorfreude mit meinem Neoprenanzug an den Strand, um mich in den vorgesehenen Bereich einzuordnen. Die abgesteckten Bereiche waren nach Schwimmzeiten aufgeteilt. Ich reihte mich in den Bereich 35 – 40 Minuten ein. 

Um genau 9:00 Uhr erfolgte der erste Startschuss für die Profis „Männer“ und um 9:15 kamen die Profis „Frauen“ an die Reihe. Dann folgten wir, die „Agegrouper“. Knapp 2.500 Teilnehmer wurden nach und nach im sogenannten Rollingstart (alle 5 Sekunden – 5 Teilnehmer) ins Wasser gelassen. Genau 40 Minuten nach dem ersten Start war ich endlich an der Reihe. Mittlerweile war die Außentemperatur auf gut 25°C angestiegen. Im „Neo“ fühlte es sich etwas wärmer an, so dass dringend eine Abkühlung erforderlich war. Es ertönte ein Pipston und schon lag ich im Wasser und kurbelte meine Arme so schnell ich konnte. Nach einer Weile der Orientierung und Tempofindung ließ auch die ganze Nervosität von mir ab und ich konnte mich voll und ganz auf das Schwimmen konzentrieren. 

Ich fühlte mich gut, mein Schwimmrhythmus war im oberen GA1-Bereich, die Sicht gut und die Markierungsbojen ließen sich ebenfalls gut erkennen. Kurz vor dem Ziel überlegte ich mir schon, welche Schritte nun an Land folgen werden. Nach 38 Minuten stieg ich aus dem Wasser. Etwas wackelig auf den Beinen, aber dennoch zügig ging es ab in die Wechselzone. Ich schnappte mir meinen Wechselbeutel mit den Radschuhen und ging weiter in das Zelt, wo ich mir meinen Neoprenanzug aus- und die Radschuhe anzog. Erstgenannten packte ich in den Wechselbeutel und legte diesen in den vorgesehenen Korb ab. Anschließend lief ich zum Rad, zog mir den Helm auf, legte mir das Startband um und rannte mit dem Rad zum Ausgang der Wechselzone, wo die zweite Etappe des Rennens begann. 

Die ersten 10 km waren flach und fühlten sich gut an. Da ich mit meiner Schwimmzeit zufrieden war, war auch meine Motivation sehr hoch.  Allerdings hielt dieses Gefühl genau 10 km an. Danach kamen auch schon die ersten „Hügel“. Bekanntlich ist das Kraichgau „das Land der tausend Hügel“ und da waren sie auch schon – die Hügel.  Die ersten nahm ich noch mit Humor, die folgenden mit Zähneknirschen.  

Für mich waren es zu diesem Zeitpunkt keine Hügel mehr. Ich kam mir vor, als wäre ich bei der Tour de France und hätte die Pyramiden vor mir. Nun gut, ich will nicht jammern, ich habe es mir ja so ausgesucht und wie ich so gedankenversunken in die Pedale stampfte, spürte ich nicht nur Schmerzen in den Oberschenkeln, sondern auch ein Brennen auf der Haut. Die Sonne hatte nämlich inzwischen an Kraft zugelegt und brannte mir ein schönes Tattoo auf die Haut. Ein Blick auf meinen Tacho zeigte mir, dass sind noch 20 km bis zur 2. Wechselzone waren. Also hieß es für mich, Zähne zusammenbeißen, um noch einmal alles auf dem Rad zu geben.  

Nach 90 km kam ich in einer Zeit von 3:38:55 Stunden in die 2. Wechselzone, gab mein Fahrrad ab, schnappte mir wieder meinen Wechselbeutel mit den Laufschuhen, zog mich um und ab ging es auf die Laufstrecke. Naja, so richtig ab ging es nicht. Die Hitze und die Hügel hatten doch körperlich einige Spuren hinterlassen. Im Nachhinein kann man sagen, dass es sich eher um ein zügiges Traben anstatt um einen flotten Halbmarathon handelte. Ich muss gestehen, dass die Hitze auch Auswirkungen auf meinen Magen hatte. Egal, was ich auch auf der Strecke an Verpflegung zu mir nahm – der Magen konnte es nicht verarbeiten. So entschloss ich mich schließlich dazu, meinen erhitzten Körper mit nassen Schwämmen zu kühlen. So konnte ich halbwegs mein Tempo bis zum Ziel halten. Mit einer Zeit von 2:31:45 Stunden für die 21,1 km lange Laufstrecke lief ich erschöpft und etwas wackelig auf den Beinen über die Ziellinie. Es folgten die Finisher-Medaille und der Gang zur Verpflegungsstelle, wo sich die Teilnehmer stärken und regenerieren konnten. 

Alles in allem erreichte ich mit einer Gesamtzeit von 7:00:16 Stunden den 122. Platz in der Altersklasse 55 und den 1.658 Platz bei den Männern. Wenn ich nach dem Zieleinlauf gefragt worden wäre, ob ich das Land der Hügel noch einmal besteigen wolle, hätte ich ohne zu zögern „nein“ gesagt. Heute – mit etwas Abstand – kann ich mir das aber zumindest wieder vorstellen.

Ignacio Horica